Edition von ausgewählten Schriftstücken zur Geschichte der drei Gerichte Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg (1459 - 1488)

 

Diplomarbeit zur Erlangung des Magistragrades an der
geisteswissenschaftlichen Fakultät der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Institut für Geschichte

© Margit Roy, 2008

Inhaltsverzeichnis


Vorwort
Die Landgerichte Kitzbühel, Kufstein und Rattenberg
Zu den Karrieren einzelner Pfleger
Die „Reichen Herzöge“ von Landshut
Quellen zur Geschichte der drei Gerichte Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg
Zur Archivgeschichte
Archivalien zu den Gerichten Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg in den Beständen des Münchner Staatsarchivs und des Bayerischen Hauptstaatsarchivs
Gestaltung der Edition
Gestaltung des Orts- und Personenregisters
Edition
Ortsregister
Personenregister
Abkürzungsverzeichnis
Literaturverzeichnis
Kopien von zwei Originaldokumenten
Abb. 1
Abb. 2

 


Vorwort

Bereits vor meinem Geschichtestudium habe ich mich in meiner Freizeit leidenschaftlich mit der  Geschichte des Mittelalters auseinandergesetzt. Es stellte sich daher für mich nicht die Frage, mit welcher historischen Zeit ich mich im Rahmen meiner Diplomarbeit beschäftigen wollte. Allerdings war es nicht einfach, ein entsprechendes Thema zu finden. Professor Brandstätter schlug mir vor, unbearbeitete Urkunden oder Briefe zu transkribieren.  Unter anderem zeigte er mir das Buch „Von Wittelsbach zu Habsburg“, herausgegeben von Christoph Haidacher und Richard Schober, in dem Reinhard Heydenreuter verschiedene unbearbeitete Schriftstücke zur Geschichte der drei Gerichte Kitzbühel, Kufstein und Rattenberg anführt. Nach dieser Lektüre war mein Interesse für die Geschichte dieser drei Landgerichte geweckt. Es erschien mir sehr sinnvoll, Schriftstücke zu bearbeiten, die vor mir noch keiner bearbeitet hatte. Weiters freute es mich, im Rahmen der Transkription praxisbezogen arbeiten zu können.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Professor Brandstätter herzlich bedanken – für seine Hilfe bei der Themenfindung zu meiner Diplomarbeit sowie für seine ausgezeichnete Unterstützung und freundliche Betreuung!

Im Rahmen meiner Diplomarbeit bearbeitete ich 44 Schriftstücke der Landgerichte Kitzbühel, Kufstein und Rattenberg. Bis auf eines (Nr. 13) sind alles Originale, welche im Münchner Staatsarchiv aufbewahrt werden. Beim Dokument Nr. 13 handelt es sich um eine Abschrift, welche im Bayerischen Hauptstaatsarchiv archiviert ist. Die von mir bearbeiteten Dokumente stammen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Zum Inhalt haben diese unter anderem Polizeiordnungen über Gewerbe und Handel, Landgebote wegen der Räubereien, das Reichsaufgebot gegen die Türken sowie Bauordnungen. Ein Großteil der von mir bearbeiteten Quellen wurde von Ludwig dem Reichen verfasst und war für die Pfleger der Landgerichte Kufstein und Rattenberg, Hans Münichauer und Christof von Freyberg, bestimmt. Einige wenige stammen von Georg dem Reichen, Sohn und Nachfolger von Ludwig.

 Die Landgerichte Kitzbühel, Kufstein und Rattenberg

Am 30. Juli 1505 erläßt Kaiser Maximilian I. den Kölner Schiedsspruch, der den bayerischen Erbfolgestreit beendet. Nach langen Verhandlungen trifft er als ordentlicher Richter der Streitparteien Anordnungen, die für Bayern territoriale Verluste bringen. So behält Maximilian I. unter anderem für Tirol die wegen ihrer Bergwerke finanziell einträglichen Landgerichte Kufstein und Rattenberg, sowie die Forstrechte des Landgerichts Kitzbühel. Im Februar des darauf folgenden Jahres erhält er auch das Landgericht Kitzbühel.  Damit verliert das Herzogtum Bayern seine Besitzungen in Tirol endgültig. Das Herzogtum verliert nicht nur politisch-strategisch wertvolle Gebiete, auch hat der Verlust finanzielle Folgen.

Nachdem Herzog Heinrich der Reiche im Jahre 1447 die Herrschaft im Herzogtum Bayern-Ingolstadt antritt, bestehen in Niederbayern neben dem größten und mit der herzoglichen Residenz wichtigsten Rentmeisteramt Landshut noch die Rentmeisterämter Burghausen, Ingolstadt/Neuburg, Wasserburg und Weiden in der Oberpfalz. Für die Gebiete mit den Besitzungen im tirolischen Unterinntal sind die Rentmeisterämter Wasserburg und Ingolstadt/Neuburg verantwortlich. Die tirolischen Ämter werden als Ämter des Landes „im gepirg“ bezeichnet. Die drei Ämter „im gepirg“ werden von Ludwig dem Bärtigen, dem Vorgänger Heinrich des Reichen,  ebenso wie Wasserburg stark gefördert, da Kitzbühel, Kufstein und Rattenberg nicht nur wegen des Bergbaus interessant, sondern auch wichtige Stätten am Weg nach Innsbruck und nach Oberitalien sind.

Mit der wachsenden Bedeutung der Finanzwirtschaft der herzoglichen Gerichte und Behörden wird der Rentmeister zunehmend wichtiger und stellt, an der Spitze der unteren Behörden, die Verbindung zwischen diesen und dem Herzog dar. Er ist als Vorsteher des Rentmeisteramtes verantwortlich für die Kontrolle der lokalen Amtsträger, zu denen Pfleger, Richter, Zöllner, Kastner und Ungelter zählen. Das Rentmeisteramt Landshut z.B. umfasst 29 Pflegen und Gerichte, 17 Kästen und Herrschaften, 14 Zölle und ein Ungeld. Jährlich müssen diese über Ein- und Ausgaben beim Rentmeister Rechenschaft ablegen. Dieser fasst die Einkünfte der lokalen Ämter zusammen und leitet die Überschüsse an den Hof weiter. Das Rentmeisteramt Wasserburg sowie die Ämter in Tirol nehmen eine besondere Stellung in Bayern ein, da zwei getrennte Verwaltungsbereiche bestehen: die lokale Finanz- und Gerichtsverwaltung sowie die Verwaltung der Bergwerke.

Die Finanzverwaltung in Bayern-Landshut ist um 1500 wie folgt aufgebaut: neben der zentralen höfischen Verwaltung bilden die fünf Rentmeisterämter eine regionale Verwaltung. Die regionale Verwaltung besteht aus mehreren lokalen Verwaltungseinheiten, zu welchen die dem Renmeisteramt unterstellten Pflegen, Gerichte, Ungeld, Kasten, Zoll- bzw. Mautämter gehören. Die Bergwerke in Tirol stellen eine Ausnahme dar, sie unterstehen keinem Rentmeisteramt, sondern direkt der herzoglichen Kammer.  Folgende Amtsträger tragen die Verantwortung über die Abrechnung der herzoglichen Einkünfte: ein Kastner, ein Pfleger und ein Zöllner in Rattenberg, ein Kastner, ein Pfleger und ein Ungelter in Kitzbühel und ein Pfleger oder Richter und ein Ungelter in Kufstein. In jedem Landgericht gibt es noch einen Stadt- oder Landrichter, der dem Rentmeister keine Rechenschaft schuldig ist. In den meisten Fällen obliegt einer Person die Verwaltung des Urbars, der Gerichtsbarkeit oder der Zölle.
Die Amtsträger werden in der Rechnungsführung von einem Schreiber, Gegenschreiber genannt, unterstützt und kontrolliert.   Je nach Arbeitsumfang des Amtsträgers hat er einen Schreiber fest angestellt oder beschäftigt diesen nur für bestimmte Zeit. In diesem Fall handelt es sich oft um den Stadtschreiber einer nahe gelegenen landesherrlichen Stadt. Die dreiarmige Organisation der Finanzverwaltung mit dem Rentmeister als Zwischeninstanz als Vermittlung zwischen Lokal- und Hofverwaltung ist charakteristisch für den bayrischen Raum.  Im Gegensatz dazu werden in anderen Fürsten- bzw. Herzogtümern, wie zum Beispiel im Herzogtum Württemberg, mehrere bis alle Aufgaben einem Amtsträger zugeteilt. So werden die Einkünfte von einem Einzigen abgerechnet.

Die Bergwerksverwaltung wird der zentralen Verwaltung direkt untergeordnet. So ist der jeweilige Amtsträger nicht dem Rentmeister des Rentmeisteramtes Wasserburg Rechenschaft schuldig, sondern hat sich direkt an die Landshuter Zentrale, sprich an den Herzog oder an dessen Vertreter,  zu wenden. So gehören diesem Ausschuss zum Beispiel 1465 bei der Rechnungslegung des Rattenberger Bergmeisters Peter Hirn in der herzoglichen Residenz vier Amtsträger an: der Landshuter Hauspfleger, Kanzler, Rentmeister und Rentschreiber. Zur Bergwerksverwaltung zählen gegen Ende des 15. Jahrhunderts der Hüttmeister und Wechsler mit seinen Gegen- und Hüttschreibern in Rattenberg, ebenso die Bergrichter von Rattenberg und Kitzbühel sowie der Holzmeister in Kitzbühel.   Diese Trennung der lokalen Gerichts- und Finanzverwaltung von der Bergwerksverwaltung ist insofern nicht zu streng zu nehmen, da einzelne Amtsträger der Gerichts- und Finanzverwaltung auch in der Bergwerksverwaltung tätig sind und die Übergänge somit, wenn auch nicht in der Abrechnung, so zumindest hinsichtlich der ausübenden Person, fließend sind. So ist die Bergwerksverwaltung, obwohl grundsätzlich institutionell getrennt, doch über die Person des Amtsträgers in die lokale Verwaltung eingebunden. So wird eine Person vom Herzog gleichzeitig zum Bergrichter, Hüttmeister und Wechsler ernannt und zudem verwaltet diese noch den Zoll zu Rattenberg.

Wie eingangs bereits erwähnt, erwartete man beim Verlust der Tiroler Landgerichte  finanzielle Einbußen für Bayern. Die Erträge der Landgerichte Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg sind bedeutend, so dass der Verlust einen spürbaren Einfluss auf die herzoglichen Finanzen hat. Anders als zu vermuten, hinterlässt jedoch der Verlust der Bergwerke keine großen finanziellen Einbußen für Bayern. Während Mitte des 15. Jahrhunderts die Bergwerkseinkünfte für den Aufstieg der „reichen Herzöge“ sorgten, spielen sie um 1500 keine besondere Rolle im Budget des Herzogtums mehr. Rattenberg ist weder vergleichbar mit Schneeberg in Sachsen noch mit Schwaz in Tirol.

Die Erträge aus dem Bergwerksektor sinken stetig. So stellt die Abtretung der Bergwerke an Österreich für Bayern keinen großen Verlust dar und die Rattenberger Silbergruben werden in den Verhandlungen des Landshuter Erbfolgekrieges nicht thematisiert.

Beachtlichen Ertrag werfen jedoch einzelne lokale Ämter ab. Ein wichtiger Grund hierfür ist die besondere Lage der Tiroler Landgerichte. Sie liegen nicht nur in einem Gebiet, das durch den Bergbau einen unheimlichen Aufschwung erlebt, sondern durch das auch der wichtige Handelsweg über den Brenner nach Italien führt. Besonders zu erwähnen ist Rattenberg. Die Stadt liegt direkt am schiffbaren Inn an der wichtigen Nord-Süd-Achse. Die Zolleinnahmen Rattenbergs profitieren sehr vom Aufstieg des Bergbaus und der damit verbundenen Beschäftigungszahlen. Im Gegensatz zu Bayern ist hier nicht der Salzhandel vorwiegend für die Zolleinnahmen verantwortlich, sondern der Handel mit Wein, Getreide und Vieh. In den Jahren 1495 – 1503 steigen die Zolleinkünfte stetig und es gelingt in diesem Jahrzehnt sogar, die Gesamteinnahmen des Herzogs aus der Bergwerksverwaltung zu übertreffen. Nach Wasserburg, welches am Schnittpunkt zweier wichtiger Handelsstrassen, der Salzstrasse und dem Inn, liegt, hat Rattenberg neben Burghausen die höchsten Zolleinnahmen im gesamten Herzogtum. Weiters dient der Rattenberger Zoll unter Herzog Georg auch wirtschaftspolitischen Zielen. Dieser setzt gleich nach seinem Antritt eine Handelssperre gegen Tirol ein, zuerst erhöht er die Getreidepreise, später sperrt er die Straßen. Nach der Übernahme Rattenbergs durch die Habsburger sichert Maximilian I. die Versorgung (vor allem mit Getreide) der aufsteigenden Region Tirol.

 

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