Die illegale Partei

 

Frühgeschichte der Arbeiterbewegung

© Margit Roy, 2006

Im Zeitalter der Industrialisierung wächst die Zahl der Lohnarbeiter immer mehr an. Durch die niedrigen Löhne und die  langen  Arbeitszeiten  geht es der Arbeiterklasse sehr schlecht.  Der Widerstand der Arbeiter gegen ihre katastrophalen Lebensumstände führt zur Bildung der Arbeiterbewegung. Gemeinsam will man für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen kämpfen. Die Arbeiterbewegungen zerfallen in einen sozialistischen und in einen gewerkschaftlichen Teil. Obwohl die Absicht des Sozialismus und der Arbeiterbewegung nahezu gleich ist, verläuft die Geschichte der beiden nicht einheitlich. Die Arbeiterklasse kämpft um ihre momentanen Interessen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft, die Sozialisten kämpfen um die sozialistische Gesellschaftsordnung. Das heißt Sturz des Kapitalismus und das Ende des Elends des Proletariats durch eine Neuverteilung des Eigentums und einer geplanten Wirtschaft.  Die Widersprüche innerhalb der Arbeiterbewegung zeigen  die Uneinigkeit der Arbeiterklasse.  

Marx und Engels stellen im „Kommunistischen Manifest“ fest, dass die Arbeiterbewegung  eine gesamtstaatliche politische Partei werden muss.  Vorraussetzung dafür sind allerdings liberale und bürgerlichdemokratische Verfassungsstaaten, denn nur diese erlauben offizielle Massenorganisationen.

Marx und Engels setzen sich mit den Problemen den illegalen Bewegungen in Frankreich auseinander.
Im Jahre 1830 stürzen Arbeiter und Kleinbürger in Paris das Königtum der Bourbonen  um eine Republik zu errichten. Die Bourgeoisie setzt aber anstatt dessen einen Orleans auf den Thron und errichtet ein Bürgerkönigtum. Die Folge sind Demonstrationen, Putsche und Aufstandsversuche. Auguste Blanqui organisiert in dieser Situation sozialistische Geheimbünde um einen Aufstand zu aktivieren. Volksmassen sollen die alte Macht stürzen und seine Diktatur errichten, die dann eine sozialistische Gesellschaft, d.h. wahre Gleichheit, verwirklichen soll.  Ihr Aufstand hat aber keinen Erfolg und wird in wenigen Stunden niedergeschlagen.

In England kämpfen zu Beginn des 19. Jahrhunderts die heute so starken Gewerkschaften viele Jahre lang im Untergrund, um für ihre Arbeiter bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Diese sind keine sozialistischen Bewegungen. Ihre Ziele sind die unmittelbaren Interessen der Arbeiter. Doch mit der  Forderung nach dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht zeigt sich auch hier  der Wille dieser Klasse zur Eroberung der politischen Macht.

Bund der Gerechten

Deutsche Handwerksgesellen, die in Paris Arbeit suchen, gründen nach dem Vorbild der blanquistischen Geheimgesellschaften den Bund der Gerechten. In dieser Situation stoßen Marx und Engels zu dieser Vereinigung.

In den kapitalistischen Großbetrieben sammeln sich immer mehr Arbeiter an. Zunächst kämpfen die Arbeiter gegen die unternehmerischen Ausbeuter. Dieser Kampf erweitert sich dann zum Klassenkampf gegen die ganze Kapitalistenklasse und wird damit zum Kampf um die politische Macht.   Ist die Arbeiterklasse einmal an der Macht, muss sie die kapitalistische Gesellschaftsordnung aufheben und eine sozialistische Gesellschaftsordnung verwirklichen. Am Ende des Klassenkampfes soll mit dem Sieg der Arbeiterklasse die sozialistische Gesellschaftsordnung verwirklicht sein.

Marx und Engels sind sich mit Blanqui einig, dass die letzte Entscheidung zwischen kapitalistischer und sozialistischer Gesellschaftsordnung letztendlich im Kampfe fallen werde. Aber sie glauben entgegen Blanqui, dass sich dies nicht durch einen Putsch entscheiden werde, sondern nur durch den Klassenkampf der Arbeitermassen. Innerhalb der Arbeiterklasse muss anstatt der putschistischen Verschwörergesellschaft eine Propagandagesellschaft treten, die dann trotz ihrer Illegalität in den Arbeitermassen selbst wirken kann.  Die innere Organisation der illegalen Parteien muss sich zu einer demokratischen Organisation verändern.  

Laut Marx und Engels kann das Ziel der Sozialisten nur dann erreicht werden, wenn der Klassenkampf des Proletariats eine Reihe von Entwicklungsphasen durchgemacht hat.

Der Klassenkampf des Proletariats ist allgemeiner Ausdruck tatsächlicher Verhältnisse eines existierenden Klassenkampfes, einer unter unserem Auge vor sich gehenden geschichtlichen Bewegung (Marx).

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