Rechtsquellen des Mittelalters

 

„Die Benediktusregel“

© Margit Roy, 2007

Theol Hh 3/55: Regula s. Benedicti cum doctiss. et piiss. commentariis Ioannis de Turre Cremata


Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Das Leben Benedikts
Ausgangspunkt des frühen Mönchtums
Quellen der Regula Benedict
Verbreitung der RB
Aufbau und Plan der Regula Benedict
Auszüge aus dem Regeltext
2. Kapitel: Wie der Abt sein soll
6. Kapitel: Die Schweigsamkei
7. Kapitel: Die Demut
Die 12 Stufen der Demut
Kapitel 8 – 20: Das gemeinsame Gebet
22. Kapitel: Wie die Mönche schlafen sollen
23. Kapitel: Die Ausschließung bei Verfehlungen
24. Kapitel: Die Art der Ausschließung
25. Kapitel: Schwere Verfehlungen
33. Kapitel: Ob die Mönche Eigenbesitz haben dürfen
38. Kapitel: Vom Wochendienst des Lesers
48. Kapitel: Die tägliche Handarbeit
58. Kapitel: Das Verfahren bei der Aufnahme der Brüder
65. Kapitel: Vom Prior des Klosters
66. Kapitel: Vom Pförtner des Klosters
73. Kapitel: Darüber, dass in dieser Regel nicht alles enthalten ist, was zur Beobachtung der vollen Gerechtigkeit gehört
Kurze Zusammenfassung
Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Benediktusregel ist eine von Benedikt von Nursia (um 480 – 547) nach der Gründung des Klosters Monte Cassino verfasste Mönchsregel. Abgefasst ist sie in lateinischer Sprache, die im 6. Jahrhundert von den mittleren und oberen Schichten Italiens, Galliens und Spaniens gesprochen wurde. In 73 Kapiteln  wird das klösterliche Zusammenleben in nüchterner  und maßvoller Einfachheit geregelt.
Dass Benedikt nicht wie andere zeitgenössische italische Mönchsväter in der Anonymität versunken ist, verdankt er den biographischen Angaben von Papst Gregor den Großen. Im zweiten Buch seiner Dialoge stellt er Benedikt im  Zusammenhang mit seiner Regel vor.  Papst Gregor  macht  seinem Dialogpartner Petrus darauf aufmerksam, dass nicht nur seine zahlreichen Wundertaten berühmt wurden, sondern: „auch das Wort seiner Lehre nicht wenig glänzte; denn er schrieb eine Regel für die Mönche, hervorragend durch weise Maßhaltung und lichtvoll in der Darstellung.  Wenn jemand sein Tugendstreben kennen lernen will, der kann in der Unterweisung der Regel alles finden, was er als Lehrer getan hat. Der heilige Mann konnte gar nicht anders lehren, als er lebte“ (Kap. 36). Das Werk Benedikts als Klostergründer und Verfasser seiner Regel ist unlösbar mit der allgemeinen Entwicklung des frühmittelalterlichen Mönchtums im Abendland verbunden.

Das Leben Benedikts

Der heilige Benedikt wurde um  480 als Sohn einer freien und wohlhabenden Familie in Nursia geboren.  Er wurde zum Studium nach Rom geschickt. Schon bald war er von der Sittenlosigkeit seiner Mitstudenten demoralisiert. Enttäuscht zog er sich zurück, um sich der Stille und Einkehr zuzuwenden. Zunächst lebte er in der Einsamkeit der Sabiner Berge von Enfide, anschließend lebte er drei Jahre als Eremit in einer unwirtlichen Höhle bei Subiaco.  Während dieser Zeit sammelten sich Mönche um ihn, die er auf zwölf kleine Klöster aufteilte. Dieser Mönchskolonie stand er selbst als Vater vor. Im Jahre 529 zog Benedikt mit einigen Mönchen  nach Montecassino, das etwa 140 km südlich von Rom entfernt liegt und gründete dort ein  

Kloster. Papst Gregor schwieg über Ort und Zeit der Entstehung der Regel. Nach überlieferter Meinung schrieb Benedikt in Montecassino, wahrscheinlich zwischen 530 und 540, seine „Regel“.  Es wird angenommen, dass Benedikt um 547 starb, man kann den Todestag aber bis gegen 560 offenlassen.

 

Ausgangspunkt des frühen Mönchtums

Ausgangspunkt des frühen Mönchtums war der Osten, v.a. Ägypten, Syrien, als auch das Wanderasketentum in der westlichen Welt. Bis zum Ende des 4. Jahrhunderts gab es viele verschiedene asketische Lebensformen. So lebten Asketen abseits der Gemeinschaft am Dorfrand, in Grabhöhlen, in Tempelruinen, in der Bergeinsamkeit, in den Einöden und vor allem in der Wüste. Um diesem Durcheinander im Bereich des asketisch-monastischen Lebens entgegenzutreten  und die klösterliche Gemeinschaft zu ordnen, entstanden Regeln, die die Klosterordnung schriftlich festlegten. Verfasser dieser Regeln mit jeweils lokal begrenztem Einzugsbereich waren u.a. Pachomius, Basilius von Caesarea, Augustinus und ein unbekannter Mönch, der die Regula Magistri verfasste, welche später ein Vorbild für die Regula Benedicti werden sollte.

Quellen der Regula Benedict

Lange Zeit glaubte man, der heilige Benedikt sei der alleinige Verfasser der Regula Benedicti (= RB). Doch die neueren Forschungen zeigen uns, dass Benedikt sich in seiner Regel stark an Vorlagen orientierte.  Besonders hervorzuheben ist hier die Regula Magistri (= RM), welche vom Reformabt Benedikt von Aniane (+ 821) diesen  Namen erhielt. Laut A. Genestout im Jahr 1938 entnahm Benedikt beinahe das ganze Vorwort (5 – 45.50), die Kapitel 1 – 2 und 4 – 7 seiner Regel nahezu wörtlich aus der Regula Magistri, welche bis dahin in das siebte Jahrhundert datiert und von der RB abhängig gedacht wurde.  Außerdem folgte Benedikt auch im Aufbau seiner Kapitel 1 – 66  dieser seiner Hauptquelle. Auch der französische Benediktiner A. de Vogue  zeigte in seinem Werk „La Règle du Mâitre“ die Abhängigkeit der RB von der RM auf. Benedikt kopierte seine Vorlage teilweise wörtlich – so das Vorwort 5 – 45.50; Kapitel 1,1 – 11; 2,1 – 18a. 18b – 25.30.35 – 37; 4,1 – 7.9 – 59.62 – 74 sowie die Kapitel 5 – 7. Manchmal verkürzte er die Kapitel der RM, manches Mal ergänzte er die Kapitel. Etwa ein Drittel des Umfanges der RB ist der RM entnommen.   Neben der RM kommt auch die Heilige Schrift, vor allem die Psalmen,  in der RB reichlich zu Wort. A. de Vogue berichtet uns, dass von den lateinischen Kirchenvätern besonders Bischof Augustin  Einfluss auf die RB ausübte. Benedikt war beeindruckt von der Regel Augustins, bezüglich des Idealbildes der Gemeinschaft. „Das ist es, was wir euch im Kloster gebieten: Das erste Ziel eures gemeinsamen Lebens ist, in Eintracht zusammenzuwohnen und „ein Herz und eine Seele“ in Gott zu haben. Lebt also in Eintracht und Liebe zusammen.“ Die bedeutenden augustinischen Stellen  in der RB sind: RB 31,7.13.18 - 19; 33,6; 34,1 – 5; 46,3 – 4; 52,1 – 5; 54,1 – 3; 63,3; 64,7 – 8.15; 62,22. 
Ein weiterer Autor, auf den Benediktus in seiner Regel zurückgriff, war der südgallische Abt Johannes Kassian, der um 430 starb. Er war der Lehrmeister des heiligen Benediktus. 
In der RB wird auf dessen Hauptwerke „Die Einrichtungen der Klöster“ und die „Unterredung der Väter“ hingedeutet (RB 42,3.5; 73,5 sowie 1,1 – 3.6 und RB 7,10 – 69). Weiters  entnahm Benedikt auch Ausschnitte aus der Regel des Pachomius, die uns in der Übersetzung des Hieronymus vorliegen und band sie in die RB ein. In den benutzten Ausschnitten geht es vor allem um das Gemeingut des cönobitischen Mönchtums.
U.a. sind noch einige lateinische Kirchenväter zu erwähnen, aus deren Werken ebenfalls mehr oder weniger wörtliche Stellen nachweisbar sind: Cyprian von Karthago (+ 258), Hilarius von Poitiers (+ 367), Ambrosius von Mailand (+ 397), Papst Leo der Große (+ 461) und Rufin-Origenes (+ 410).

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