Heinrich IV. in Canossa 1077

 

© Margit Roy, 2005

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Kirche und Staat bis zum 11. Jahrhundert
Kloster- und Kirchenreform
Heinrich IV. und Gregor VII. (Hildebrand) bis zur Begegnung in Canossa
Der eigentliche Canossagang begann
Von Canossa bis zum Tod Gregors VII.
Zusammenfassung
Literaturverzeichnis

Vorwort

Heinrich IV. war König über das mächtigste Reich des christlichen Abendlandes. Er fühlte sich, wie seine Vorgänger als Stellvertreter Christi auf Erden, dazu berufen, sowohl über Volk und Adel, als auch über die Kirche zu herrschen. Dieser Heinrich, sonst ausgestattet mit allen Insignien der königlichen Macht und Würde flehte im Büßergewand um Gnade. Die Burg Canossa war der Ort, an dem sich vor nicht ganz 930 Jahren im Januar des Jahres 1077 dramatische Ereignisse abspielten. Das mittelalterliche Europa war direkt oder indirekt betroffen. Bis heute gilt der Gang nach Canossa als sprichwörtliches Beispiel für Bußfertigkeit und Reue. Ende des Jahres 1076 entschloss sich Heinrich IV., über die Alpen nach Italien zu ziehen. Dies war eigentlich nichts Ungewöhnliches. Auch seine Vorgänger hatten sich wiederholt nach Italien begeben.  Mit Gefolge und Heer waren Sie Richtung Süden marschiert, um sich Schätze anzueignen oder ihren Machtbereich nach Süden weiter auszudehnen, oder um sich vom Papst zum Kaiser krönen zu lassen. Das ein oder andere Mal diente der Feldzug auch der Ein- oder Absetzung der Päpste. Heinrich IV. hatte ganz andere Beweggründe.
Ein König mutete seiner Gemahlin, seinem zweijährigen Sohn und einem kleinen Gefolge zu, bei Schnee und klirrendem Frost über ein Hochgebirge zu marschieren. Wenn man das berühmte Bild des Canossagangs betrachtet, bietet Heinrich einen jämmerlichen Eindruck in seinem schlichten wollenen Gewand.
Von königlicher Würde ist nichts zu spüren. Unter Tränen erbittet er drei Tage lang die Fesseln des Bannfluches zu lösen und um Wiederaufnahme in den Schoß der heiligen Mutter Kirche.
Warum belegte Papst Gregor VII. den deutschen König mit dem Kirchenbann? Woher nahm er die Macht, einem Herrscher wie Heinrich IV. zu bestrafen und zu demütigen? Dies sind die Fragen, die ich hier beantworten möchte.

Kirche und Staat bis zum 11. Jahrhundert

 Dem römischen Kaiser der Antike oblag nicht nur der gesamte öffentliche Bereich, der Ziviles, Militärisches und Kultisches beinhaltete, nein er war selbst Bestandteil des öffentliches Kultes geworden. Er hatte die Funktion des obersten Priesters inne und regierte so über den gesamten Sakralbereich.  Unter Konstantin wurde diese Aufgabe an die christlichen Kaiser übertragen. Theodosius I. erhob das Christentum zu alleinigen Staatsreligion.

Die abendländischen Königreiche erwuchsen linear aus dem Imperium Romanum und transportierten die heidnischen Vorstellungen eines Sakralkönigtums in einen christlichen Kontext. Da es zu den Pflichten der Herrscher gehörte, die Kirche zu schützen,  nahmen sie sich auch entsprechende Rechte heraus und missionierten von oben.  Zu ihren Aufgaben machten sie die Einberufung und die Leitung von kirchlichen Versammlungen und das Beschließen von kirchlichen Verordnungen. Des Weiteren nahmen sie Einfluss bei der Besetzung der Bischofs- und Patriarchenstühle.

Unter Otto I. verstärkte sich die traditionelle Zusammenarbeit zwischen Kirche und Königtum. Um seine königliche Macht gegenüber dem Adel zu stärken, baute Otto die Herrschaft der geistlichen Würdenträger, die ohne rechtmäßige Erben blieben, aus. Er verlieh  ihnen weltliche Lehen und setzte sie in wichtige Ämter ein. Die Ernennung der Bischöfe und Äbte durch den König, ein Recht aus merowingischer Zeit, lag in Ottos Hand und machte die Zusammenarbeit ersichtlich. Der König war ein von Gott erwählter Herrscher. Durch das von Gott verliehene Amt gehörten der Schutz und die Aufsicht über die Kirche zu seinen Pflichten. Der Ausdruck „ottonisch-salisches Reichskirchensystem“ definiert die enge Zusammenarbeit zwischen den Königen und der Kirche.   

Kloster- und Kirchenreform

Vom im 10. Jahrhundert gegründeten Kloster Cluny ging eine starke Reformbewegung aus. Die Erneuerung mönchischer Frömmigkeit durch Cluny war von starker Wirkung auf  Weltklerus und Laienwelt. Klöster in Frankreich, Italien und Deutschland, die weithin durch Vernachlässigung der geistlichen und klösterlichen Aufgaben, sowie durch wirtschaftliche Ausnutzung von Seiten des Adels infolge des Eigenkirchenrechtes abgesunken waren, schlossen sich Cluny an. Die Reformer erkannten, dass die Laieninvestitur nicht den alten Kirchengesetzen entsprach, und führten auf sie den moralischen Verfall des damaligen Klerus zurück, insbesondere dessen Nachsicht gegenüber dem Konkubinat sowie der weit verbreiteten Simonie, dem Kauf und Verkauf von Kirchenämtern.

Mit Papst Leo IX. kann sich der Reformgeist in Rom endgültig durchsetzen.  Papst Leo entwarf  ein geistlich-politisches Programm und setzte es konsequent durch. Seine Forderungen sind nichts Neues, aber er benutzte neue Mittel, um die Ideen zu verwirklichen. Er verband die sittliche Erneuerung der Kirche mit ihrer organisatorischen.

Im Jahr 1046 wurde durch Kaiser Heinrich III. ein Papstschisma beendet. Auf der Synode von Sutri erklärte Heinrich die drei rivalisierenden Päpste, u.a. den sittenstrengen Gregor VI. wegen Simonie, für abgesetzt und nominiert seinen eigenen Kandidaten Suidger von Bamberg als Papst Clemens III.. Im Jahr 1059 verkündete  Papst Nikolaus II. schließlich die Papstwahlordnung. Der Papst ernennt die Kardinäle, die Kardinäle wählen den Papst.

 

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