„Frauen, Macht und Politik im
18. Jahrhundert“

 

© Margit Roy, 2004

  • Diskutieren Sie die Begriffe „Herrschaft“, „Macht“, „Gewalt“.

Macht setzt voraus, daß eine Beziehung zwischen Individuen oder Gruppen besteht. Jede zwischenmenschliche Beziehung bewirkt die Entstehung eines Machtverhältnisses. Macht ist die Fähigkeit von Menschen, Einfluß auf andere Menschen auszuüben und etwas zu bewirken. Emanzipatorische Züge können Macht kennzeichnen. Macht unterscheidet sich grundlegend von Herrschaft. Herrschaft ist Macht in realer, legitimierter Form (z.B. durch Erbfolge, Geistlichkeit, persönliche Treue). Zu jedem Herrschaftsverhältnis gehört ein gewisses Minimum an Gehorchenwollen. Es entsteht eine tatsächliche Unter- und Überordnung. Um Macht durchzusetzen gibt es verschiedene Instrumente wie z.B. Gewalt oder Autorität. Machtausübung bzw. Herrschaft ist folglich mit Gewalt verbunden. Zwar kann man Macht kaum mittels Gewalt erzeugen, jedoch aber vernichten. Auch der Verlust von Macht führt meist zu Gewalt anstatt zur Ohnmacht. Machtausübung gehört immer zum Gemeinwesen – Gewalt ist nicht unbedingt erforderlich.

Beispiel zum Vergleich von Macht und Herrschaft: Frauen wie z.B. Mätressen konnten Macht durch Strategie erwerben – Machtausübung möglich, jedoch nicht formal anerkannt wie bei Herrschaft.

  • Auf welche Weise konnten Frauen im 18. Jahrhundert zu formaler Herrschaft gelangen? Schildern Sie dies an vier (Beispiel-)Typen.
  • Maria Theresia übernahm nach dem Tod ihres Vaters Karl VI. 1740 die Regierung der habsburgischen Länder und regierte autoritärer als ihr Vater und setzte Reformen durch. Grundlage für ihre Herrschaftsübernahme war die Pragmatische Sanktion, die festlegte, daß auch Frauen die Erbfolge antreten konnten. Dennoch musste sie um ihr Recht kämpfen, da viele wie z.B. die Preußen und die Bayern die Pragmatische Sanktion nicht anerkennen wollten und Gebietsansprüche an Maria Theresia stellten.  
  • Anna Amalia war mit Ernst-August II. Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach verheiratet, welcher bereits 1758 nach 2 Jahren Ehe verstarb. Ernst August legte in seinem Testament fest, daß Anna Amalia die alleinige Vormundschaft für den Erbfolger Carl August inne hat. Bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes sollte sie die Regierungsgeschäfte im Herzogtum übernehmen. Die Regentschaft übernahm sie mit ihrer Vollmündigkeit (Altersnachsicht).
  • Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst-Dornburg = Zarin Katharina II. (neuer Name nach Glaubenskonvertierung). Sie heiratete den russischen Thronfolger Peter III. Nach dem Tod von Zarin Elisabeth 1762 übernimmt Peter die Regentschaft. Er regierte glücklos und unbekümmert. Katharina nutzte die Gelegenheit, um den Zaren mit Hilfe eines Günstlings zu stürzen, was nicht gelang. Wenig später aber wurde Peter ermordet. Katharina übernahm die Regentschaft (und übte diese Aufgabe wesentlich besser (konsequenter) als Peter aus). Unter ihr wurden viele Reformen durchgeführt. 
  • Die Äbtissin des Klosters Sonnenburg hat als Grundherrin auch in weltlichen Belangen Hoheitsgewalt und Machteinfluss über Untertanen. Ihr – wenn auch beschränktes - Herrschaftsrecht ist legitimiert: Sie wurde vom Konvent gewählt, vom Bischof von Brixen in die geistlichen Rechte eingesetzt und vom Landesfürsten in die weltlichen Rechte. Zu ihren Hoheitsrechten gehört u.a Gerichtshoheit in verschiedenen Belangen. So erfüllt die Äbtissin zum Beispiel Gnadengesuche um Erlass oder Ermäßigung der Strafe bei Sittlichkeitsdelikten. Auch hatte sie Sitz und Stimme im Tiroler Landtag.
  • Interpretieren Sie folgende Quelle: Charles-Louis de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu : Vom Geist der Gesetze. Auswahl, Übersetzung und Einleitung von Kurt Weigand. – Stuttgart 1994.

Charles-Louis de Secondat diskutiert in diesem Auszug die gesellschaftliche Stellung der Frau in den verschiedenen Staatssystemen. Bis zum demokratischen Gedanken der Gleichheit werden Frauen in jedem System untergeordnet, wenn auch auf verschiedene Art und Weise. Weiters führt er an, welche Folgen die Freiheit der Frauen auf die gesellschaftliche Ordnung hat.

In der Monarchie leben Frauen durch das Vorrecht des Standes am Hof und genießen dort die „Freiheit“, sich - schön aussehend - frei bewegen zu dürfen. Man(n) bedient sich ihrer. Durch strategische Maßnahmen wie z.B. Einsatz ihrer weiblichen Reize gelingt es vielen Frauen / Mätressen, Machteinfluss zu gewinnen.

In den despotischen Ländern werden Frauen als Luxusartikel gehandhabt. Zum einen fürchtet man(n) die Folgen der Freiheit der Frauen; zum anderen leben die Herrscher nichts anderes vor, als daß Frauen im Käfig gehalten werden müssen. Weiters hat der Herrscher nicht eine Frau an seiner Seite, sondern mehrere Frauen unter sich.

In den Republiken werden den Frauen zwar formal mehr Rechte zugesprochen, jedoch durch gesellschaftliche Normen, Sitten und Tugenden werden sie wieder eingeschränkt. Als Beispiel führt De Secondat die antiken griechischen Städte an. Es herrschte ein demokratisches Staatssystem. Frauen hatten per Gesetz Freiheit; das Leben jedoch war stark geprägt von Sitten und Tugenden. Im Leben der Griechen herrschte eine fabelhafte Ordnung, was man auf die große Tugendhaftigkeit der Frauen zurückführt. Meiner Meinung nach ist diese Ordnung aber nicht allein auf die Keuschheit der Frauen – denen im übrigen nichts anderes übrig blieb, da die Homosexualität sehr populär war – zurückzuführen, sondern auch auf die Gesetzeslage.

Im weiteren bespricht De Secondat die Nachteile des Gedanken der Gleichheit in der Demokratie. Dies hat den Verlust von Gehorsam und Respekt gegenüber „Obrigkeiten“ zur Folge, wobei auch hier vor allem Frauen, Kinder uns Sklaven gemeint sind. Natürlich hat der Gedanke der Freiheit zur Folge, daß das Volk weniger gehorsam ist (da es selbständiger wird), aber das betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Da aber in der Geschichte Männer fast immer mehr Rechte hatten als Frauen, fällt es wesentlich mehr auf, wenn nun langsam auch Frauen Rechte fordern und zugesprochen bekommen. Und Emanzipation hat nicht den Verlust von Werten zur Folge, sondern eine Wertverschiebung. Auch heute bestehen Liebe zur Ordnung, Sittsamkeit und Tugend.  

  • Untersuchen Sie die Herrschafts- und / oder Machtverhältnisse zwischen Emil und Sophie anhand des Ihnen vorliegenden Quellentextes von J.J. Rousseau.

„Sophie oder Das Weib“ ist der letzte Teil des Werkes „Emil oder Die Erziehung“. J.J. Rousseau geht darin auf die geschlechterspezifischen Merkmale von Mann und Frau ein und schildert, wie die Erziehung der Frau erfolgen soll.

Zu Beginn schildert er die Gemeinsamkeiten von Mann und Frau, welche das Organische sind. Die moralischen Eigenschaften der beiden Geschlechter sind unterschiedlich. So wird die Frau über ihre aus dem Geschlecht resultierenden Eigenschaften wieder zu einer eigenen Art.

Die Frau wurde im Prinzip zum Wohlwollen des Mannes erschaffen: als die Rolle der Ehefrau, der Mutter und Hausfrau – das resultiert für Rousseau aus der Natur des Mannes sowie aus der Natur der Frau. Natürliche Unterschiede erkennt er vor allem in der Körperkraft und im Gemüt der Frau. Durch die natürliche Körperkraft des Mannes ist die Herrschaft des Mannes gerechtfertigt. So: „[...], daß die Frau eigens dazu geschaffen ist, dem Mann zu gefallen. [...] er gefällt einzig darum, weil er stark ist.“ Als Ausgleich für diese körperliche Stärke hat die Natur aber der Frau andere Eigenschaften mitgegeben, um in der Liebe zur Herrschaft zu gelangen. So kann der eigentliche Herrscher zum Beherrschten werden und die Beherrschte zur Herrscherin. Die Mittel der Frau, durch welche sie diese Herrschaft erlangen kann, sind sexuelle Reize und das natürliche Verlangen der Frau, dem Mann zu gefallen. Daß diese Gefallsucht gesellschaftsbedingt und anerzogen sein könnte, kommt Rousseau nicht in den Sinn. Somit definiert sich die Frau für ihn von Natur aus nicht über sich selbst, sondern über den Mann. Durch eine Eheschließung akzeptieren Mann und Frau die gegenseitigen Pflichten. Dazu gehört die Unterordnung der Frau unter den Mann. Der Mann hat für seine Frau und Kinder zu sorgen, seine Frau ihm Treue zu erweisen. Rousseau leitet das Herrschaftssystem zwischen Mann und Frau – wie gesagt – aus der Natur ab und macht sich nun daran, weitere Pflichten der Frau aus diesem legitimen Herrschaftsverhältnis abzuleiten. Die Erziehung der Frau richtet sich daran, daß die Frau für den Mann geschaffen ist: „So muß sich die ganze Erziehung der Frau im Hinblick auf die Männer vollziehen. Ihnen gefallen, ihnen nützlich sein, sich von ihnen lieben und achten lassen, sie großziehen, solange sie jung sind, als Männer für sie sorgen, sie beraten, sie trösten, ihnen ein angenehmes und süßes Dasein bereiten; das sind die Pflichten der Frau zu allen Zeiten, das ist, was man sie von Kindheit an lehren muß.“ Die Pflicht der Frau ist es also, die Bedürfnisse des Mannes zu erfüllen.     

Im Gegensatz dazu ist die Erziehung des Mannes so auszurichten, daß er sich frei entwickeln und entfalten kann – mit Hilfe und Unterstützung der Frau!

  • „... in der Republik jedoch braucht man Männer“. Aus diesem Satz von Rousseau könnte man schließen, daß es in den entsprechenden staatsphilosophischen und staatstheoretischen Schriften v.a. um Männer geht. In welchen Texten finden sich Hinweise auf Herrschaftsverhältnisse in den Geschlechterbeziehungen?

Emil oder über die Erziehung, Kapitel Sophie (siehe oben) und Contrat Social

  • Interpretieren Sie mit dem in der LV erworbenen Wissen folgende Stelle aus dem Brief, den Abigail Adams 1776 an ihren an der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung mitarbeitenden Ehemann John Adams schrieb: „I desire you would remember the ladies and be more generous and favorable to them than your ancestors. Do not push such unlimited power into the hands of the husbands. Remember all men would be tyrants if they could. If particular care and attention is not paid to the ladies, we are determined to forment a rebellion and will not hold ourselves bound by any laws in which we have no voice or representation.”

Abigail Adams setzte sich für das Gesehenwerden und die Rechte der Frauen in der Politik ein. Warum sollen sich Frauen in ein System eingliedern lassen und sich an Gesetze und Pflichten halten, wenn sie keine Rechte zugesprochen bekommen bzw. überhaupt nicht vorkommen? Man(n) kann nicht alle Macht den Männern übertragen, in einer Welt, in der Frauen und Männer leben. Das Leisten der Frauen darf nicht übersehen und übergangen werden. 

  • Wie gestaltete sich das Engagement der Frauen in der Französischen Revolution?

Die Frage der Emanzipation war im revolutionären Frankreich nicht aktuell. Frauen hatten kein Wahlrecht, nur sehr wenige nahmen auf die Politik Einfluss, wie z.B. Madame Roland, die zwar immer wieder die Interessen ihrer bürgerlichen Klasse vertrat, aber niemals für die Sache der Frau das Wort ergriff. Olympe de Gouges, die Verfasserin der Frauenrechte, war im Grunde konservativ und wurde 1793 wegen ihrer royalistischen Auffassungen hingerichtet.

„Die Frau ist von Geburt frei und bleibt dem Mann gleich an Rechten.“ (Olympe de Gouges)

Allgemein ist zu sagen, daß sich Frauen speziell in Umbruchzeiten besonders engagieren und auch die Chance haben, etwas für sich zu bewirken. Davor und danach sind Männer an der Macht, und die Erfüllung der Bedürfnisse und Forderungen der Frauen geht ebenso zurück wie auch das Engagement derselben.

Während der Französischen Revolution wurden viele Aufstände, die während der immer wiederkehrenden Hungersnöte ausbrachen, traditionell von Frauen angeführt. Frauen haben sich gesellschaftliche Nischen geschaffen, in denen sie kulturellen, ökonomischen und politischen Einfluß ausübten. Es gab Frauenclubs, um die spezifischen weiblichen Belange einzubringen. Neben diesen Clubs gab es auch explizit politische Frauenorganisationen wie z.B. „Die brüderliche Gesellschaft der beiden Geschlechter“ oder die „Gesellschaft der Revolutionären Republikanerinnen“. In Paris waren die Zünfte der Marktfrauen und der Wäscherinnen wegen ihrer lautstarken Forderungen gefürchtet. Viele Frauen kämpften Seite an Seite mit ihren Männern auf den Barrikaden. Die Hoffnung auf rechtliche Gleichstellung mit den Männern erfüllte sich jedoch nicht. Die Frauen blieben von den proklamierten Bürgerrechten ausgeschlossen.