Das Konzil von Trient (1545 – 1563)

 

Konfessionalisierung im 16. und im 17. Jahrhundert in den Ländern der Habsburgermonarchie

© Margit Roy, 2003

Anfänge der Reformation

Martin Luther veröffentlicht 1517 seine 95 Thesen, in denen er Theorie und Praxis des Ablasshandels kritisiert. Im Zuge des Streits sammeln sich an zahlreichen Orten Theologen, humanistische Gelehrte und Künstler, Priester, Kaufleute und Handwerker, Buchhändler und Studenten, um gemeinsam über eine Erneuerung des Christentums nachzudenken. Um Luther bildet sich ein reformatorisches Lager. Dass das Heil der Menschen nicht mehr von der reformunwilligen Kirche abhängt, befreit die Leute von dem ewigen Druck.  Die Erfindung des Buchdrucks erleichtert die Verbreitung der neuen Ideen. Der Weg zu einer weiterführenden Kirchenkritik ist geebnet.

Die päpstlichen Behörden befehlen Luther, sich der kirchlichen Gewalt zu unterwerfen.  Martin Luther setzt sich aber weiterhin für die Reformen ein. Er übt Kritik an der Papstkirche, dem System der Sakramente und er hält daran fest, dass der Glaube des Einzelnen auf der Bibel basieren müsse. Im Jahre 1518 wird gegen Luther  der Prozess wegen Verbreitung von Irrlehren und wegen des Verdachts der Ketzerei eröffnet. Im Juni 1520 wird er in Augsburg verhört und er bekommt eine Bannandrohungsbulle, die seine Unterwerfung fordert.  Luther verbrennt diese  vor seinen Studenten in Wittenberg. Das bedeutete symbolisch den endgültigen Bruch mit der Papstkirche.  Luther von Papst Leo X. exkommuniziert. Im April 1521 muss sich Luther  auf dem Wormser Reichstag vor Kaiser Karl V., vor Fürsten und Vertretern der Kirche  verantworten. Er weigert sich weiterhin, seine Thesen öffentlich zu widerrufen und es wird daher von Kaiser Karl V. die Reichsacht über ihn verhängt.

Kurfürst Friedrich der Weise  von Sachsen nimmt Luther in Schutz und gewährt im Zuflucht auf der Wartburg.  Dort übersetzt Luther das Neue Testament ins Deutsche und verfasst Schriften, in denen er seine Grundsätze darlegt. Luther bekommt immer mehr Anhänger. Seine Schrift gegen die Mönchgelübde bewegt viele Mönche und Nonnen ihre Klöster zu verlassen.

1524 beginnen die Bauernaufstände als Radikalisierung der Reformation. Luther wendet sich in seiner Schrift „Wider die Mordischen und Reuberischen Rotten der Bawren“ gegen die Aufständischen. Ein Streit zwischen dem Humanisten Erasmus von Rotterdam und Luther führte zur Abwendung der Humanisten, die bis dahin Luthers Lehren unterstützten. 

Der Kaiser, der Großteil der Fürsten und der höherrangige Klerus halten an der althergebrachten Ordnung fest und unterstützen die Papstkirche. Hingegen die norddeutschen Fürsten, der niedere Klerus, Kaufleute und ein großer Teil der Bauernschaft befürworten die lutherische Lehre. Sie sehen in den Veränderungen eine Chance zur größeren religiösen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit. Zwischen 1521 und 1525  wird die reformatorische Idee durch die steigende Zahl von Flugschriften stark verbreitet.

Einberufung des Konzils von Trient

Nachdem die deutschen Fürsten schon seit längerem  hinsichtlich der Wiedergewinnung der christlichen Einheit ein allgemeines Konzil auf deutschem Boden fordern, wird das Konzil von Trient  jetzt also von Papst Paul III.  in einer Zeit einberufen, als die katholische Kirche durch die Reformation Luthers  in Deutschland stark in Frage gestellt wird. Das Konzil von Trient, das auch das 19. Allgemeine Konzil genannt wird, erstreckt sich über 25 Sitzungen, wobei diese in drei verschiedenen Tagungsperioden abgehalten werden. Am 13. Dezember 1545 wird das Konzil unter Papst Paul III. eröffnet und es endet am 04.12.1563 unter Papst Pius IV. Das Konzil gilt als die langersehnte Antwort des Katholizismus auf die Reformation und leitet den Beginn der kirchlichen Gegenreformation ein.

Schon 1521 wird im Nürnberger Reichstag von den deutschen Fürsten ein Konzil auf deutschem Boden verlangt. Papst Clemens III. hat jedoch Angst, dass ein freies Konzil auf deutschem Boden für die reformierten Deutschen ein Konzil ohne Papst bedeuten würde und mit der Anwesenheit von Laien verbunden wäre. Deshalb weicht Clemens III. dem Konzilswunsch der deutschen Fürsten aus. Erst Paul III. setzt den Wunsch nach einem Konzil um. 1536 beruft er ein Generalkonzil nach Mantua ein, doch tagt dieses Konzil niemals, da es nicht auf deutschem Boden stattfindet.

1544 beruft Paul III. dann ein Konzil nach Trient, also auf deutschem Boden ein. Allerdings gibt es schon bei der Hauptzielsetzung des Konzils Konflikte zwischen dem Kaiser und dem Papst. Während der Kaiser die Wiedervereinigung mit den Protestanten möchte, will der Papst die Klärung dogmatischer Fragen zum Mittelpunkt machen. Nur wenige Bischöfe erkennen die Dringlichkeit dieses Konzils und so sind nur wenige Vertreter anwesend.

 

Erste Tagungsperiode
(1545 – 1548)

Am 13. Dezember wird die Kirchenversammlung in Trient eröffnet. Es werden Erzbischöfe, Äbte, der Kaiser, der König von Frankreich, sowie weitere Könige und Fürsten eingeladen. Es kommen aber nur wenige Teilnehmer und diese sind fast zur Gänze Italiener, eine Ausnahme bilden zwei Bischöfe aus Spanien und je einer aus England, Frankreich und Deutschland. Es ist kein Vertreter der Reformierten anwesend. Da das Konzil vom Papst einberufen wird, handelt es sich für die Protestanten um kein freies Konzil.  Inhaltlich wird mit der feierlichen Bekräftigung des nicäno-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses begonnen. Es folgt die Diskussion um die Heilige Schrift. Das Ergebnis ist: die Vulgata wird als dogmatisch einwandfreie Textgrundlage für Predigt und Lehre bestimmt und als authentische Auslegerin  der Kirche in der Tradition der Väter. Es wird die Residenzpflicht des Bischofs und seine Pflicht zu predigen eingeführt. Das wichtigste Thema der ersten Konzilsperiode ist die Auseinandersetzung mit Luthers Rechtfertigungslehre. Luther macht, gestützt auf den Apostel Paulus und den heiligen Augustinus, die Lehre von der Rechtfertigung allein durch den Glauben zu einer Zentralthese der Reformation. Die Reformierten distanzieren sich vom Konzil. Karl V. erklärt daraufhin den Schmalkaldischen Bund für landfriedensbrecherisch.  Martin Luther stirbt 1546.

Karl V. beginnt mit päpstlicher Unterstützung einen Feldzug gegen die Protestanten.  Der Kaiser versucht die religiösen Konflikte auf dem Schlachtfeld auszutragen.

Ergebnis der Arbeit an der Rechtfertigungslehre ist ein umfangreiches Dokument „De iustificatione“ – bestehend aus 33 dogmatischen Canones (gegen Luthers Lehre anzuwenden). Im März 1547 wird festgelegt, dass Bischöfe und Kardinäle, die ihre Residenzpflicht sechs Monate hindurch nicht wahrnehmen, ein Viertel ihrer Einkünfte verlieren sollen. Es gibt eine Debatte über die Sakramente, insbesondere über die Taufe und über die Firmung (Abgrenzung zur Lehre der Reformatoren). Es werden sieben Sakramente festgelegt.

Wegen des Krieges und seiner Gefahren und wegen des Ausbruchs einer Seuche verlegt  Papst Paul III. das Konzil  am 11. März 1547 nach Bologna. Zwischen dem Papst und dem Kaiser entsteht eine Kluft. Die Anhänger des Kaisers bleiben unter Protest in Trient zurück. Karl V. droht, das Konzil auf eigene Faust in Trient fortzusetzen und dem Papst die Schuld am Schisma zu geben. Er erreicht damit zwar nicht die Rückverlegung, aber es werden in Bologna keine weiteren Dekrete mehr erlassen.  Im Februar 1548 endete die Konzilstätigkeit der ersten Periode durch die  Suspendierung  durch  den  Papst. Nach  dem  Tod von Paul III. folgt Papst Julius III..

 

Zweite Tagungsperiode
(1551 – 1552)

Erst zur zweiten Sitzungsperiode im Herbst 1551 erscheinen die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln sowie die Bischöfe von Strassburg, Konstanz, Chur, Chiemsee, Wien und Naumburg, sodass auch deutsche Bischöfe am Konzil teilnehmen. Der Kaiser verpflichtet die Protestanten auf dem Reichstag von Augsburg 1548 zur Teilnahme am Konzil. Es wird die Transsubstantionslehre bekräftigt   und an der realen Gegenwart Gottes im Sakrament der Eucharistie festgehalten.  Beibehalten wird die Ohrenbeichte, die Krankenölung und die Busse. Die Diskussion über die Kommunion wird bis zum Eintreffen der Protestanten zurückgestellt. Diese stellen viele für die katholische Seite unannehmbare Forderungen, worauf die Unionsverhandlungen entgültig scheitern.

Zur gleichen Zeit erleidet Kaiser Karl V. eine militärische Niederlage gegen Frankreich und Moritz von Sachsen. Das Konzil wird schließlich auf zwei Jahre verschoben – am Ende werden es dann aber zehn Jahre. In dieser Zeit verbreitet sich der Calvinismus in Westeuropa. Von 1552 bis 1559 herrscht Krieg zwischen dem Habsburger-Reich und Frankreich. Der Papst ergreift die Seite Frankreichs.

Aus den Erfahrungen des konfessionellen Bürgerkrieges und aus der siegreichen Opposition gegen Karl V. erwächst der Wille der Fürsten, von nun an ihren Geschäften in Frieden nachzugehen. Die beiden Konfessionen sind entschlossen, miteinander innerhalb der Ordnungen des Reiches zu leben und ihr Auskommen zu finden. Karl V. kann sich nicht zu Zugeständnissen gegenüber den Protestanten entschließen, also überlässt  er die Regelung der religiösen Fragen seinem Bruder Ferdinand. Dieser schließt 1555 mit den protestantischen Reichsständen den Augsburger Religionsfrieden. Der einzelne Bürger hat auch weiterhin keine echte Religionsfreiheit, denn er muss dem Bekenntnis seines Landesherrn folgen. Dies führt dazu, dass viele der Untergebenen auswandern.

Im August 1559 stirbt Papst Paul IV. Sein Nachfolger wird Pius IV..

 

Dritte Tagungsperiode
(1562 – 1563)

Papst Pius IV. will einem Nationalkonzil in Frankreich (Gefahr einer Nationalkirchenbildung) zuvorkommen und beruft das 1551 unterbrochene Konzil von Trient wieder ein. Die protestantischen Fürsten nehmen an der dritten Tagungsperiode nicht teil. Die römische Konzilsdelegation ist sehr stark, aber nur wenige deutsche Bischöfe nehmen daran teil. Am 18. Januar 1562 wird die dritte Konzilsperiode eröffnet. Die Frage „Residenzpflicht bleibt ungelöst, weil der Papst deren weitere Diskussion untersagt. Die Messe wird definiert als Gedächtnis und Gegenwärtigsetzung des Kreuztodes Christi. In diesem Zusammenhang taucht die  Frage nach dem Laienkelch auf, der zum Symbol für die protestantische Abendmahlsfeier geworden ist. Der Laienkelch wird entgültig verboten. Ercole Gonzaga, der Leiter des Konzils, stirbt 1562, Kardinal Morone nimmt dessen Platz ein. Die Sakramentalität der Ehe wird festgelegt. Nationale Spannungen bewegen den Kardinal Morone zum raschen Abschluss des Konzils. Dekrete über Ablass, Fegefeuer, Heiligen- und Bilderverehrung werden rasch abgeschlossen. Die Schlusssitzung findet im Dezember 1563 statt. Alle verabschiedeten Dekrete werden dabei verlesen und von den anwesenden stimmberechtigten Teilnehmern unterschrieben. Der Papst bestätigt im Juni 1564 die Dekrete in einer eigenen Bulle. Er beansprucht die authentische Interpretation der Dekrete für sich und beruft dazu die Kardinalskongregation ein. Ergebnis dieser Nacharbeiten ist unter anderem das Tridentinische Glaubensbekenntnis.

1562 brechen die Hugenottenkriege in Frankreich aus. Zwei Jahre später stirbt Ferdinand I. und Maximilian II. tritt seine Nachfolge als römisch-deutscher Kaiser an. Die Reformation und die Gegenreformation prägen die nächsten Jahre.

Bedeutung des Konzils für die Kirchengeschichte

Das Konzil von Trient ist für den Verlauf der Kirchengeschichte von entscheidender Bedeutung, da es sich mit längst überfälligen Problemen befasst. So wird endlich auf die, durch Martin Luthers Reformation  in Frage gestellten Werte und Lehren reagiert. Erst durch das  Konzil von Trient wird es der katholischen Kirche möglich, eine Antwort auf die Reformation zu geben, eine kirchliche Gegenreformation in das Leben zu rufen. Somit ist das Konzil von Trient ein bahnbrechendes Ereignis, da es die durch die Reformation schon lange anstehenden Fragen und Probleme aufgreift und beantwortet. Die Bedeutung des 19. Allgemeinen Konzils erkennt man auch daran, dass die herausgearbeiteten Dekrete bis heute die Unterschiede zwischen der protestantischen und der katholischen Kirche herausstellen und diese  auch noch bis heute gültig sind. Dass man die Zeit zwischen dem Tridentinischen Konzil und dem 2. Vatikanischen Konzil auch als nachtridentinisch bezeichnet, hebt die Bedeutung der dort erlassenen Dekrete nochmals hervor. Außerdem hat das Konzil erhebliche Auswirkungen auf die Frömmigkeit und die Kunst, da die Katholiken weiterhin den Gebrauch von Bildern in ihren Kirchen gestatten, während die Protestanten dies verbieten. Nicht umsonst wird es als das größter Ereignis des neuzeitlichen Katholizismus bezeichnet. So schreibt H. Jedin über dieses Konzil: „Das Konzil von Trient war die Antwort des höchsten kirchlichen Lehramtes auf die protestantische Reformation“. Die wesentlichen trennenden Gründe der beiden christlichen Kirchen sind also durch das Tridentinum und seine Dekrete begründet und erschweren die Umsetzung der Ökumene bis heute.

 Literatur: 

  • Jedin, Hubert, Geschichte des Konzils von Trient, Bd. I: Der Kampf um das Konzil,  Freiburg 1949.
  • Jedin, Hubert, Geschichte des Konzils von Trient, Bd. II: Die erste Trienter Tagungsperiode 1545/47, Freiburg 1957. 
  • Jedin, Hubert, Geschichte des Konzils von Trient, Bd. III: Bologneser Tagung (1547/48), Zweite Trienter Tagungsperiode (1551/52), Freiburg, Basel, Wien 1970.
  • Jedin, Hubert, Geschichte des Konzils von Trient, Bd. IV: Dritte Tagungsperiode und Abschluss, Freiburg, Basel, Wien 1975. 
  • Müller, Gerhard / Bäumer Remigius (Hrsg.), „Zur Vorgeschichte des Tridentinums“, in: Concilium Tridentinum, Darmstadt 1979.
  • Mieck, Ilja, „Die Katholische Erneuerung“, in: Europäische Geschichte der frühen Neuzeit, Stuttgart, Berlin, Köln 61998.